Mangel trotz Überfluss

Was sagt unser Darm dazu?

Noch nie gab es in unserer industrialisierten Welt ein derart großes Nahrungsangebot in den meterlangen Regalen der Supermärkte. Milchprodukte, Softdrinks und Limonaden, Wurst und Fleisch, Obst und Gemüse aus der ganzen Welt das ganze Jahr über, Knabbereien und Naschereien, Fertigessen etc. lassen den Einkauf zum Spießrutenlauf werden. Was wir vermeintlich an Zeit sparen, weil wir kaum noch kochen, beschert uns in Wahrheit Stress. Nahrung steht permanent zur Verfügung, wir essen mehr als nötig. Die Lebensmittel und Gerichte sind hoch verarbeitet. Wir wissen nicht mehr, was wir essen. Sogenannte „ernährungsbedingte“ Krankheiten sind in Zeiten des Überflusses auf dem Vormarsch.
Kann ein Blick in Omas Küche dagegen helfen?

Autorin: Mag. Heidi Friedberger
Geschäftsführerin der Akademie für Naturheilkunde, Dipl. Ernährungstrainerin, Dipl. TEH-Praktikerin

Möglichst naturbelassene Produkte werden zunehmend aus den Regalen verdrängt. Stattdessen gibt es unzählige Milch-, Joghurt- oder Käsesorten (diverse Fett- und Haltbarkeitsstufen, laktosefrei, von verschiedensten Produzenten).

Dasselbe Bild in der Obstabteilung: Früchte aus der ganzen Welt und zu jeder Jahreszeit. Die guten alten, heimischen Apfelsorten sind verschwunden. Ebenso bei Kartoffeln oder Tomaten. Keine Sortenvielfalt mehr. Oft fehlen mehlige Kartoffeln, um Püree daraus zu machen. Das gibt es schließlich als Trockenpulver im Regal.

Wie hat sich unsere Ernährung verändert?

Das Angebot ist kaum noch saisonal und regional und aufgrund der langen Transportwege unreif geerntet oder nicht mehr ganz frisch. Wir erhalten mehr Kalorien, mehr Zusatzstoffe und weniger Vitalstoffe. Was bedeutet der Rückgang von fermentierten Lebensmitteln, Ballaststoffen und Bitterstoffen für unseren Darm?

Wir essen weniger …

  • fermentierte Lebensmittel
  • Ballaststoffe
  • Bitterstoffe
  • Hülsenfrüchte
  • natürliche Vitalstoffe
  • Omega-3-Fettsäuren
  • Selbstgemachtes

dafür mehr …

  • Zucker, Zuckerersatz und Zuckeraustauschstoffe
  • gesättigte Fettsäuren
  • Fleisch und Wurstprodukte
  • stark verarbeitete Lebensmittel mit diversen Zusatzstoffen
  • Genussmittel, Fastfood und Softdrinks
  • Fertignahrung

Probiotika – unsere guten Darmbakterien

Ein gesunder Darm ist mit vielen guten (probiotischen) Bakterien besiedelt. Seit einigen Jahren stehen sie im Fokus der Forschung, die fast täglich neue Erkenntnisse bringt. Sie haben viele positive Eigenschaften, die wichtig für unsere Gesundheit sind und wirken hauptsächlich im Dünndarm.

Sie

  • sind Verdauungshelfer und bauen Vitamine auf
  • pflegen die Darmzotten
  • schützen vor einer Übermacht schädlicher Bakterien und Keime
  • haben Einfluss auf das Immunsystem und Allergien
  • fördern die Lactose-Verdauung und beugen so evtl. einer Unverträglichkeit vor
  • wirken bei Verstopfung, aber auch gegen Durchfall
  • wirken positiv bei Reizdarmsyndrom
  • haben evtl. Einfluss auf Übergewicht, Entzündungen und sogar Diabetes
  • hemmen u. U. Pilzbesiedelung
  • verbessern die Aufnahme und Verwertung von Calcium (Osteoporoseprävention)
  • haben Einfluss auf unser Verhalten und unsere Psyche

Auch die nicht als so positiv gesehenen Bakterienstämme in unserem Darm haben ihre Aufgabe. Sie trainieren quasi unser Immunsystem, sollten aber nicht überhand nehmen. Optimal ist die richtige Balance. Fehlt diese, kann es zu einem hyperaktiven Immunsystem kommen, das Auslöser für Autoimmunerkrankungen, Allergien oder Asthma ist.

Häufige Antibiotikagaben und falsche Ernährung schädigen langfristig die Darmflora und schließlich die Darmschleimhaut, was Ursache vieler Krankheiten sein kann. Wie eine richtige Ernährung aussehen soll, kann man nicht verallgemeinern. Jedem Menschen ist etwas anderes zuträglich. In jedem Fall aber haben sich unsere Darmbakterien über Millionen Jahre an eine bestimmte Nahrung gewöhnt. Diese hat sich jedoch nie so rasch und radikal verändert wie in den letzten Jahrzehnten.

Unmengen an Zucker(arten) und stark verarbeitete Lebensmittel dominieren unseren Speiseplan, während alte Ernährungsformen fast verschwunden sind. So z. B. mit Hilfe von Milchsäurebakterien fermentierte, vergorene Lebensmittel wie Sauermilch, Kefir, Joghurt, Sauerkraut und anderes milchsauervergorenes Gemüse, das in vielen Kulturen Tradition hat (z. B. Kimchi in Korea). Früher wurde im Sommer oder Herbst geerntetes Gemüse fermentiert und so für den Winter haltbar gemacht.

Wir nennen die dazu benötigten positiven Bakterien auch Probiotika. Einige Arten finden sich auch auf unseren Schleimhäuten (Mundhöhle, Darm, Vagina), wo sie uns vor Krankheiten schützen. Auch Milch gehörte in vielen Regionen zur täglichen Nahrung, aber natürlich nicht in dem Ausmaß, wie heute verschiedenste, verarbeitete Milchprodukte konsumiert werden.

Rohmilch, nicht erhitzt und naturbelassen, mit all ihren Inhaltsstoffen, ist heute sehr umstritten, da mit den guten Bakterien auch Krankheitskeime aufgenommen werden könnten. Früher, als es noch kaum Kühlschränke gab, konnte frische Milch nicht lange aufbewahrt werden. Milchsäurebakterien in der Rohmilch lösten das Problem.

Sie bauen Kohlenhydrate zu Milchsäure ab. Es entsteht Dickmilch, die zu Großmutters Zeiten (gesüßt oder als Stosuppe / Herbstmilchsuppe) gelöffelt wurde. Sie war länger haltbar und gehörte zum Alltag. Mit pasteurisierter Milch funktioniert das nicht.

Präbiotika – Futter für unsere guten Darmbakterien

Durch richtige Ernährung können wir die guten Darmbakterien fördern, ihnen sogar helfen sich zu vermehren. Dafür braucht es neben den oben genannten fermentierten Lebensmitteln sogenannte Präbiotika.

Sie sind das optimale Futter für unsere Darmbakterien im Dickdarm und regen deren Wachstum und Aktivität gezielt an. Und damit sind wir bei den Ballaststoffen. Das sind nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile, die früher einfach für auszuscheidende Nahrungsreste gehalten wurden.

Mittlerweile wissen wir, dass mit Abnahme der Ballaststoffzufuhr in den letzten Jahrzehnten auch die ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten zugenommen haben. Ein Zusammenhang konnte hergestellt werden. Dass dabei die Darmbakterien eine große Rolle spielen ist nun auch bekannt. Sie lieben bestimmte Ballaststoffe.

Zum Beispiel Inulin (hoher Gehalt in im Herbst geernteten Löwenzahnwurzeln, in Schwarzwurzeln, Pastinaken, Karotten / Möhren, Topinambur). Jene, die beim Erhitzen und anschließendem Abkühlen von Stärke entstehen (Kartoffelsalat, kalter Reis), jene in Lauchgewächsen (Zwiebel, Knoblauch, Bärlauch, Porree) oder in Spargel, Artischocken, Chicorée, Radicchio, Endivien etc. Letztere bringen uns mit ihren Inhaltsstoffen zu einer weiteren wichtigen Komponente, die über die Jahre aus unserer Nahrung fast verschwunden ist (teilweise herausgezüchtet):

Bitterstoffe

Die alte Volksweisheit „Was bitter im Mund, ist dem Magen gesund“ lässt sich durchaus auf den ganzen Organismus, bis hin zur Psyche, erweitern. Viele unserer heimischen Kräuter- und Heilpflanzen enthalten neben anderen wichtigen sekundären Pflanzeninhaltsstoffen diese Bitterstoffe.

Wir müssen ja nicht gleich zu den bittersten greifen (Wermut, Enzianwurzel und Tausendgüldenkraut) – auch Löwenzahn, Schafgarbe, oben genannte Salate, Artischocke, viele Frühlingskräuter etc. können unsere Nahrung aufwerten und unsere Verdauungssäfte zum Fließen bringen. Sie beeinflussen den SäureBasenhaushalt positiv und aktivieren unsere Stoffwechselorgane, Verdauungssäfte und -enzyme werden vermehrt ausgeschüttet.

Das alles kommt dem Darm und seinem Milieu zugute. Zur Sanierung des Darms und zum Wiederaufbau bereits geschädigter Darmflora empfehlen sich eine professionelle Darmreinigung, der therapeutische Einsatz von Pro- und Präbiotika, Bitterstoffe zur Unterstützung und Entgiftung und eine Ernährungsumstellung.

Quelle:
„natürlich besser leben“
Das Gesundheitsmagazin aus Salzburg
Ausgabe Herbst 2016

Codex Humanus

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